Zum Inhalt springen
solarkern

Photovoltaik verstehen und planen

Photovoltaik oder Solarthermie: Was lohnt sich mehr?

Redaktion · 7 Minuten Lesezeit · 20. Juli 2026

Auf dieser SeiteDas Wichtigste in Kürze
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Vergleichsergebnis: Strom oder Wärme?
  3. Für wen eignet sich welche Variante?
  4. Photovoltaik und Solarthermie im Vergleich
  5. Technische Unterschiede
  6. Kosten: nicht direkt vergleichbar
  7. Wirtschaftlichkeit: Was wird wirklich eingespart?
  8. Nachteile und Einschränkungen
  9. Auswahl nach Anwendungsfall
  10. Das solltest du prüfen
  11. Häufige Fragen

Kurz erklärt

Photovoltaik ist meist die flexiblere Wahl, wenn du Strom selbst nutzen, einspeisen oder eine Wärmepumpe versorgen möchtest. Solarthermie kann passen, wenn Warmwasser oder eine bestehende Heizung gezielt unterstützt werden soll und dafür geeignete Flächen sowie ein passendes Heizsystem vorhanden sind. Welche Lösung sich finanziell mehr lohnt, hängt von Gebäude, Verbrauch, Dach und den Kosten des konkreten Systems ab.

Passender RechnerPhotovoltaik-WirtschaftlichkeitsrechnerKosten, Einsparung und Amortisation in drei Szenarien

Das Wichtigste in Kürze

  • Photovoltaik wandelt Sonnenlicht in Strom um; Solarthermie nutzt Sonnenenergie direkt zur Wärmeerzeugung.
  • Mit PV kannst du Haushaltsgeräte versorgen, Strom einspeisen und – mit passender Technik – eine Wärmepumpe unterstützen.
  • Solarthermie ist auf Warmwasser und Heizungsunterstützung ausgerichtet. Sie ersetzt die Heizung in der Regel nicht.
  • Es gibt keinen pauschalen wirtschaftlichen Sieger. Entscheidend sind Verbrauch, Gebäude, Dachfläche, vorhandene Heizung und Investitionskosten.
  • Wenn du eine Wärmepumpe planst, ist PV häufig eine flexible Ergänzung. Solarthermie kann trotzdem sinnvoll sein, wenn das Wärmekonzept dafür spricht.

Vergleichsergebnis: Strom oder Wärme?

Photovoltaik passt besonders gut, wenn du deinen Strombedarf senken möchtest. Der erzeugte Strom kann im Haushalt verbraucht, gespeichert, für eine Wärmepumpe genutzt oder ins Netz eingespeist werden. Das macht PV vielseitig, aber nicht automatisch wirtschaftlicher: Entscheidend ist, wie viel des erzeugten Stroms du selbst nutzen kannst und was die Anlage kostet.

Solarthermie eignet sich, wenn du Sonnenenergie direkt für Warmwasser oder zur Unterstützung der Raumheizung einsetzen willst. Dafür braucht es einen passenden Wärmespeicher und eine Einbindung in das bestehende Heizsystem. Die Anlage liefert Wärme, aber keinen Haushaltsstrom.

Für wen eignet sich welche Variante?

Photovoltaik ist eher passend, wenn du:

  • im Haushalt regelmäßig Strom verbrauchst und einen Teil davon selbst nutzen kannst;
  • eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto einplanst und deren Betrieb mit eigenem Strom ergänzen möchtest;
  • eine vielseitige Lösung suchst, die nicht an einen bestimmten Wärmebedarf gebunden ist;
  • überschüssigen Strom ins Netz einspeisen möchtest.

Solarthermie ist eher passend, wenn du:

  • gezielt Warmwasser bereiten oder deine Heizung unterstützen möchtest;
  • bereits ein wassergeführtes Heizsystem und ausreichend Platz für Speicher und Technik hast;
  • dein Wärmebedarf und die Gebäudesituation zur möglichen Solarwärme passen;
  • eine bestehende Anlage ergänzen möchtest und die Einbindung technisch sinnvoll ist.

Das sind Orientierungspunkte, keine individuelle Planung. Dachausrichtung, Verschattung, Zustand der Heizung und Platz im Gebäude können die Einschätzung verändern.

Photovoltaik und Solarthermie im Vergleich

Kriterium Photovoltaik Solarthermie
Erzeugt Elektrischen Strom Wärme für Warmwasser und gegebenenfalls Heizungsunterstützung
Typische Nutzung Haushalt, Wärmepumpe, Elektroauto, Netzeinspeisung Warmwasserbereitung, Unterstützung der Heizung
Speicher Batteriespeicher für Strom möglich Wärmespeicher für Warmwasser und Heizungswasser erforderlich
Flexibilität Strom kann für unterschiedliche Anwendungen genutzt werden Wärme muss zum passenden Zeitpunkt im Gebäude gebraucht oder gespeichert werden
Abhängigkeit vom Heizsystem Relativ gering für den Haushaltsstrom; für Wärme ist ein geeigneter Verbraucher nötig Hoch: Einbindung in Heizungs- und Warmwassersystem ist zentral
Wichtige Planungsfragen Dachfläche, Ertrag, Eigenverbrauch, Wechselrichter und gegebenenfalls Speicher Wärmebedarf, Speicher, Heizungsart, Leitungswege und verfügbare Fläche

Technische Unterschiede

PV-Module erzeugen Gleichstrom. Ein Wechselrichter macht daraus nutzbaren Wechselstrom für das Hausnetz. Ein Batteriespeicher kann Strom zeitversetzt verfügbar machen. Planung, Anschluss und Prüfung der Anlage gehören in die Hände eines Elektrofachbetriebs; Arbeiten am Hausnetz oder auf der Gleichstromseite sind keine Anleitung zur Eigeninstallation.

Solarthermie-Kollektoren erwärmen eine Flüssigkeit, die die Wärme über einen Wärmetauscher an einen Speicher abgibt. Die Anlage muss hydraulisch zur vorhandenen Heizung passen. Auch Regelung, Speichergröße und Leitungsführung beeinflussen, wie gut sie genutzt werden kann. Planung und Installation sollten Fachbetriebe übernehmen.

Beide Systeme brauchen geeignete Dach- oder Freiflächen. Verschattung, Ausrichtung, Zustand der Dachkonstruktion und mögliche Sanierungen solltest du vor einer Entscheidung prüfen lassen. Für eine erste Einschätzung des PV-Ertrags am Standort eignet sich PVGIS; tatsächliche Erträge können abweichen.

Kosten: nicht direkt vergleichbar

Die Kosten hängen bei beiden Varianten stark vom Gebäude und vom Umfang der Arbeiten ab. Bei Solarthermie sind unter anderem Kollektorfläche, Speicher und die Einbindung in die Heizung relevant. Bei Photovoltaik wirken sich Anlagengröße, Dacharbeiten, Wechselrichter und ein möglicher Batteriespeicher aus.

Als grobe Orientierung liegen Stichprobenpreise für eine PV-Anlage mit 10 kWp ohne Speicher bei etwa 10.000 bis 16.000 Euro. Mit einem Speicher von etwa 10 kWh sind es grob 13.000 bis 20.000 Euro. Das sind keine repräsentativen Marktpreise und keine verbindlichen Angebote. Die Kosten einer Solarthermieanlage lassen sich ohne Angaben zu Gebäude, Speicher und Heizung nicht sinnvoll pauschal beziffern.

Vergleiche deshalb nicht nur Anschaffungspreise. Relevant sind auch notwendige Umbauten, laufender Betrieb, erwartete Nutzung und die Frage, welche Energiekosten die Anlage tatsächlich ersetzt.

Wirtschaftlichkeit: Was wird wirklich eingespart?

Bei PV hängt der Nutzen unter anderem davon ab, wie viel erzeugter Strom direkt im Haus verbraucht wird. Selbst genutzter Strom ersetzt einen Teil des Strombezugs; für eingespeisten Strom gelten andere Vergütungsbedingungen. Beides hängt von Anlage und Inbetriebnahme ab. Für eine erste Modellrechnung kannst du den Rechner zur Photovoltaik-Wirtschaftlichkeit nutzen. Die Eingaben sollten zu deinem Verbrauch und einem nachvollziehbaren Angebot passen.

Bei Solarthermie zählt, wie viel der erzeugten Wärme du tatsächlich für Warmwasser oder Heizung verwenden kannst. Im Sommer kann mehr Wärme anfallen, als gerade benötigt oder gespeichert werden kann. Im Winter ist der Wärmebedarf häufig höher, während die verfügbare Sonnenenergie geringer ist. Eine hohe theoretische Wärmeerzeugung bedeutet daher nicht automatisch eine entsprechend hohe Ersparnis.

PV und Wärmepumpe können gemeinsam sinnvoll sein: Die Wärmepumpe wandelt Strom in Wärme um, und PV kann einen Teil des Strombedarfs decken. Allerdings fallen hoher Wärmebedarf und niedrige PV-Erzeugung oft teilweise in dieselbe Jahreszeit. Eine passende Auslegung und realistische Annahmen sind deshalb wichtig. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch nicht automatisch so stark, dass sich seine Kosten rechnen.

Nachteile und Einschränkungen

PV erzeugt nicht jederzeit genug Strom, um den gesamten Bedarf zu decken. Ein Batteriespeicher verursacht zusätzliche Kosten und braucht eine sorgfältige Auslegung. Auch Einspeisung und Eigenverbrauch sollten getrennt betrachtet werden.

Solarthermie ist weniger vielseitig: Sie liefert Wärme und ist auf ein dazu passendes Heiz- und Speichersystem angewiesen. Nachträgliche Integration kann aufwendig sein. Zudem muss die Wärme zeitnah genutzt oder gespeichert werden; die Anlage ersetzt eine bestehende Heizung normalerweise nicht vollständig.

Auf einem begrenzten Dach konkurrieren beide Systeme um Fläche. Ob eine Kombination möglich und sinnvoll ist, hängt von Dachgeometrie, Energiebedarf und Anlagenplanung ab. Statik und technische Ausführung sollten Fachleute prüfen.

Auswahl nach Anwendungsfall

  • Du möchtest vor allem Stromkosten beeinflussen: Prüfe zuerst Photovoltaik und den erwartbaren Eigenverbrauch.
  • Du planst eine Wärmepumpe: Vergleiche ein Gesamtkonzept aus Wärmepumpe und PV mit einer möglichen Solarthermie-Lösung. Entscheidend sind Heizlast, Stromverbrauch und verfügbare Flächen.
  • Du willst hauptsächlich Warmwasser unterstützen: Solarthermie kann passen, wenn Speicher und Heizung geeignet sind. PV kann Warmwasser ebenfalls über geeignete elektrische Systeme bereitstellen; deren Einbindung muss geplant werden.
  • Du besitzt bereits eine PV-Anlage: Prüfe zuerst, ob Eigenverbrauch, Verbrauchszeiten oder eine Wärmepumpe sinnvoll angepasst werden können, bevor du zusätzlich Solarthermie planst.
  • Du sanierst die Heizung: Lass beide Optionen zusammen mit dem geplanten Heizsystem bewerten. Eine isolierte Betrachtung der Kollektoren oder Module greift zu kurz.

Das solltest du prüfen

  • Wie hoch sind Strom- und Wärmebedarf, und wann fallen sie an?
  • Welche Flächen sind geeignet und wie stark sind sie verschattet?
  • Gibt es Platz für Batterie oder Wärmespeicher?
  • Passt die vorhandene oder geplante Heizung zur jeweiligen Technik?
  • Sind notwendige Umbauten in den Gesamtkosten enthalten?
  • Beruht die Wirtschaftlichkeitsrechnung auf realistischen Erträgen und Nutzungsannahmen?
  • Sind technische Prüfung und Installation durch geeignete Fachbetriebe eingeplant?

Häufige Fragen

Ist Photovoltaik grundsätzlich besser als Solarthermie?

Nein. PV ist vielseitiger, weil sie Strom erzeugt. Solarthermie kann bei passendem Wärmebedarf und Heizsystem sinnvoll sein. Welche Lösung besser passt, hängt von der konkreten Nutzung und den Kosten ab.

Kann Photovoltaik Warmwasser erzeugen?

Ja, PV-Strom kann in Verbindung mit geeigneter Technik zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Wie sinnvoll das ist, hängt unter anderem von Heizsystem, Regelung und verfügbarem Strom ab. Die technische Auslegung sollte ein Fachbetrieb prüfen.

Lohnt sich Solarthermie mit einer Wärmepumpe?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Systeme können um Fläche konkurrieren, und ihre Kombination muss zum Wärmebedarf und zur Anlagenplanung passen. Lass die Gesamtlösung vergleichen, statt nur einzelne Komponenten gegenüberzustellen.

Kann Solarthermie die Heizung ersetzen?

In der Regel nicht vollständig. Sie kann Warmwasser und die Heizung unterstützen, aber die Versorgung hängt von Gebäude, Jahreszeit, Speicher und Wärmebedarf ab. Für die verbleibende Wärme ist weiterhin ein geeignetes Heizsystem nötig.

Über diesen Beitrag

Erstellt von
Redaktion
Veröffentlicht
20. Juli 2026
Fachliche Prüfung
Redaktionell erstellt, fachliche Einzelprüfung ausstehend
Quellenbasis
  • Verbraucherzentrale
  • PVGIS (Europäische Kommission, Joint Research Centre)

Mehr zu unseren redaktionellen Richtlinien, und den Quellen.

Weiterlesen

Das könnte dich auch interessieren

Mehr zum Thema: Photovoltaik verstehen und planen · Kosten und Wirtschaftlichkeit · Stromspeicher · Technik und Komponenten

Suche

Tipp: Mit / oder ⌘K öffnest du die Suche von überall.